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Musik ist mehr als nur ein Untersuchungsobjekt: sie ist eine Weise, die Welt wahrzunehmen.
Heute kann ein Theoretisieren, das mit Sprache oder Mathematik arbeitet, nicht mehr ausreichen;
es ist ungeeignet, zu analysieren, was zur Zeit wesentlich ist - das Qualitative und das Flüchtige,
Bedrohungen und Gewalt. Angesichts der wachsenden Mehrdeutigkeit der Zeichen, die verwendet und
ausgetauscht werden, zerfallen selbst die am besten gesicherten Konzepte, und alle Theorien schwanken.
Die verfügbaren Vorstellungen von Ökonomie sind in Strukturen verfangen, die im 17. Jahrhundert oder
spätestens bis 1850 begründet wurden. Sie können weder vorhersagen, beschreiben noch ausdrücken, was
uns erwartet. Es ist deshalb notwendig, radikal neue theoretische Formen zu finden, um über neue Realitäten zu sprechen. Musik, die Organisation des Geräuschs, ist eine dieser Formen. Sie spiegelt die Erzeugung von Gesellschaft wider: sie konstituiert das hörbare Frequenzband der Schwingungen und Zeichen, die Gesellschaft ausmachen. Als ein Instrument des Verstehens veranlaßt sie uns, eine Klangform der Erkenntnis zu entziffern. Meine Absicht ist hier, nicht nur allein über Musik zu theoretisieren, sondern mittels Musik zu theoretisieren. ... |
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Jacques Attali
aus: Bruits: essai sur l'économie politique de la musique, Presses Universitaires de France, Paris 1977 |
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| © Rolf Langebartels, Berlin 2000 |